Herzchirurgie Berlin, Herzdarstellung - Foto: S. Dushe/ Charité
Herzchirurgie Berlin, Herzdarstellung - Foto: S. Dushe/ Charité

Operationsverfahren

An dieser Stelle können Sie sich bereits vorab über mögliche, eventuell für Sie in Frage kommende Operationsverfahren informieren. Basis der Operationsvorbereitung bleibt aber das individuelle ärztliche Aufklärungsgespräch. Falls Sie vor der endgültigen Vereinbarung eines Operationstermins noch weitere Fragen klären möchten, unsicher über die Dringlichkeit der Operation sind oder eine Zweitmeinung benötigen, können Sie gerne hier einen Termin für ein Vorgespräch vereinbaren.

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Die Herzchirurgie - diverse operative Techniken, eine gemeinsame Basis

Die technische Grundvoraussetzung für die Herzchirurgie ist die erstmals 1953 vorgestellte und seither weitgehend perfektionierte Herz-Lungen-Maschine, die in jedem Fall bei allen Operationen am eröffneten Herzen zum Einsatz kommt und diese überhaupt erst möglich macht. Bypassoperationen können in bestimmten Konstellationen durch den Einsatz spezieller Techniken auch ohne Unterstützung durch die Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden (OPCAB = off-pump cororary artery bypass).

Bypassoperation

Wenn es an den Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel selbst mit Blut versorgen, zu Einengungen (Stenosen) kommt, kann ein Herzinfarkt die Folge sein. In vielen Fällen kann man diese Einengungen noch ohne Operation mithilfe eines Stents im Herzkatheter behandeln. Ist dies nicht mehr sinnvoll möglich, wird der behandelnde Kardiologe eine Bypassoperation empfehlen. Bei dieser Operation verwendet man körpereigene Gefäße, mit denen Umleitungen des Blutflusses hinter die Engstellen an den Herzkranzgefäßen gelegt werden. Als sogenannte Bypässe kommen die inneren Brustwandarterien, die an der Innenseite der Rippen verlaufen, sowie Venen vom Bein und Armarterien in Frage. In der Regel muss dazu der Brustkorb über eine mittige Durchtrennung des Brustbeins (mediane Sternotomie) eröffnet werden. In manchen Fällen, wenn nur ein bestimmtes Herzkranzgefäß betroffen ist, kann die Operation auch minimal-invasiv über einen kleinen Schnitt unterhalb der linken Brust erfolgen (sogenannter MIDCAB). Lange Zeit war für die Bypassanlage immer die Unterstützung des Herzens durch die Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Mittlerweile kann durch die Einführung neuer Stabilisatorsysteme und entsprechender spezieller Operationstechniken (OPCAB) auf diese Unterstützung aber immer häufiger verzichtet werden. Eine Bypassoperation dauert etwa 3 Stunden und wird in Vollnarkose durchgeführt.

Herzklappenoperationen

Ein Herz hat vier Klappen, die wie Ventile funktionieren: Während das Herz schlägt, öffnen und schließen sich die Herzklappen. Sind sie geschlossen, wird der Rückfluss in die vorgeschaltete Herzhöhle verhindert, sind sie offen, ist der Durchstrom freigegeben. Durch altersbedingte Verkalkungen oder durch Entzündungen, manchmal auch ohne klar erkennbaren Grund, kann eine Herzklappe undicht (Insuffizienz) oder zu eng (Stenose) werden. In der Folge fließt bei der insuffizienten Klappe das Blut in die falsche Richtung zurück, bei der stenotischen wird der ungestörte Durchfluss behindert. Beides führt zu einer Überlastung des Herzmuskels. Ab einem bestimmten Schweregrad der Funktionsbeeinträchtigung muss man die defekte Klappe deshalb reparieren oder ersetzen.

Muss die Herzklappe ersetzt werden, stehen dafür unterschiedliche Prothesentypen zur Verfügung, die für jeden Patienten individuell ausgewählt werden: Es gibt mechanische Prothesen aus Kunststoff und biologische Prothesen, die aus Gewebe tierischen Ursprungs hergestellt werden.

  • Mechanische Herzklappen
    Mechanische Klappen unterliegen prinzipiell keinem Verschleiß, machen aber unbegrenzt die Einnahme blutverdünnender Medikamente notwendig, die verhindern sollen, dass sich an der Klappe Blutgerinnsel bilden. Dadurch ist allgemein die Blutungsgefahr etwas erhöht. Trotzdem können unter Umständen kleinere Gerinnsel entstehen, die versprengt werden (embolisieren) können.
  • Biologische Herzklappen
    Biologische Klappen erfordern keine blutverdünnenden Medikamente und tragen nicht das erhöhte Embolierisiko. Sie können jedoch nach einer gewissen Zeit (Lebensdauer ca. 10 bis 15 Jahre) verkalken und müssen dann ausgetauscht werden. Der erneute Ersatz von Herzklappen kann heute ohne größere Gefahr von Komplikationen durchgeführt werden.

Aortenklappenersatz

Der isolierte Aortenklappenersatz wird in der Klinik generell minimal-invasiv über eine sogenannte partielle obere J-Sternotomie durchgeführt, das heißt, dass für den Zugang zur Aortenklappe nur der obere Teil des Brustbeins durchtrennt werden muss und der Hautschnitt bzw. die spätere Narbe entsprechend klein bleiben können. Gleichzeitig bleibt dadurch ein Teil des Brustbeins intakt, was spätere Heilungsstörungen des Knochens und der Wunde praktisch ausschließt. Die meist stark verkalkte Aortenklappe wird herausgeschnitten und durch eine Prothese ersetzt. Ein solcher Eingriff dauert in der Regel zwischen zwei und drei Stunden.

Das TAVI-Verfahren

TAVI nennt man ein Verfahren, bei dem eine sehr klein zusammengefaltete Herzklappenprothese mittels einer speziellen Kathetertechnik über eine große Schlagader bis zum Herzen vorgeschoben und dann in der Position der nicht mehr funktionstüchtigen Aortenklappe platziert und entfaltet wird. Die körpereigene Klappe wird dabei gesprengt und zur Seite gedrückt, wo sie verbleibt. Für dieses Verfahren werden gegenwärtig vor allem Patienten berücksichtigt, bei denen aufgrund von Begleiterkrankungen oder eines hohen Lebensalters das Risiko für eine konventionelle Operation als zu hoch eingeschätzt wird. Dafür werden bei jedem Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Aortenklappenerkrankung alle relevanten Befunde nach Visite des Patienten von einem sogenannten Herzteam aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten gründlich bewertet und dann das am besten geeignete Verfahren ausgewählt. Üblicherweise werden bei der TAVI-Prozedur die Implantationskatheter über die Leistengefäße vorgeschoben. Sollten diese dafür ungeeignet sein, z.B. aufgrund von Verkalkungen, können Herzchirurgen den Klappenkatheter über einen kleinen Schnitt entweder unterhalb des Schlüsselbeins oder an der linken Brustkorbseite einführen. 

Mitralklappenoperation

Die Mitralklappe, die Herzklappe zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer, ist häufiger im Sinne einer Undichtigkeit (Insuffizienz) erkrankt, seltener mit einer Verengung (Stenose). Wann immer es von den jeweiligen Gegebenheiten her technisch möglich ist, wird die Mitralklappe minimal-invasiv durch einen kleinen Schnitt an der rechten Brustkorbseite operiert. Dabei wird den Chirurgen das Operationsgebiet über eine zusätzlich eingebrachte Kamera auf einem hochmodernen 3D-Videosystem dargestellt. Die Kanülen für die in jedem Fall erforderliche Herz-Lungen-Maschine werden bei diesem Vorgehen durch die Leistengefäße eingeführt. Im Falle einer Stenose wird in der Regel ein Klappenersatz durch eine Prothese erfolgen; bei einer Insuffizienz kann die körpereigene Klappe häufig wieder repariert werden. Dazu steht eine Reihe verschiedener Hilfsmittel und Operationstechniken zur Verfügung, von Rekonstruktionsringen bis hin zu künstlichen Sehnenfäden, die je nach Art der Schädigung der Klappe einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen.

Ablationstherapie von Vorhofflimmern

Liegt eine als Vorhofflimmern bezeichnete Herzrhythmusstörung vor, sollte diese im Rahmen der bevorstehenden Herzklappen- bzw. Bypassoperation behandelt werden.

Bei Vorhofflimmern schlagen die oberen Kammern des Herzens (Vorhöfe) unregelmäßig und oft zu schnell. Diese Rhythmusstörung tritt im fortgeschrittenen Lebensalter gehäuft auf und kann sich sowohl im Rahmen anderer (Herz-)Erkrankungen als auch unabhängig davon entwickeln. Patienten mit Vorhofflimmern können an Herzbeschwerden (z.B. Herzrasen, Luftnot etc.) sowie einer Einschränkung der Lebensqualität leiden. Die Herzleistung wird durch Vorhofflimmern reduziert, so dass die Symptomatik Ihrer Herzerkrankung möglicherweise verstärkt wird. Da sich in den flimmernden Vorhöfen Blutgerinnsel bilden können, besteht ein erhöhtes Risiko für gerinnselbedingte Gefäßverschlüsse (Embolien), die z.B. als Schlaganfall eine bedeutende Komplikation darstellen.

Zur Behandlung von Vorhofflimmern stehen verschiedene Möglichkeiten, z.B. die Behandlung mit Medikamenten, das Wiederherstellen von Sinusrhythmus durch elektrischen Strom (elektrische Kardioversion) oder die Implantation eines Herzschrittmachers, zur Verfügung. Im letzten Jahrzehnt hat sich die operative Verödung von Vorhofgewebe (Ablation) gleichzeitig zur primären Herzoperation als geeignete Behandlungsmethode etabliert. Das Prinzip der Behandlung des Vorhofflimmerns besteht in der Erzeugung von linienförmigen Läsionen, d.h. Bereiche, in denen das Gewebe Ihres Herzens absichtlich geschädigt wird, im Muskel der Vorkammern des Herzens. Diese Läsionen wandeln sich in der nächsten Zeit zu Narben um, die das Weiterleiten schneller Erregungen, die Ursachen des Vorhofflimmerns sind, unterbrechen. Die Läsionen können mit verschiedenen Verfahren erzeugt werden, die in der Regel während des Eingriffs gewählt werden, z.B. Mikrowellen- oder Radiofrequenzenergie oder Kälte.

Das Risiko einer zusätzlich zur primären Herzoperation durchgeführten Vorhofablation ist gering. Die Aussichten, dass ein stabiler Sinusrhythmus erreicht wird, sind gut, auch wenn bei einem Teil der Patienten das Vorhofflimmern nicht beendet werden kann bzw. erneut auftritt. Die Ergebnisse werden vor allem von der Dauer, wie lange das Vorhofflimmern bestanden hat, und von der Größe des linken Vorhofs bestimmt. Zur Stabilisierung des Herzrhythmus bzw. zur Vorbeugung von Embolien kann es erforderlich sein, dauerhaft Medikamente einzunehmen.